Wat kütt, dat kütt…

Jetzt ist wieder die Zeit der Närrinnen und Narren. Ich geben mich diesem Motto dann auch einfach so hin und lasse es über mich ergehen: Es ist Karneval; oder wie man in meiner Wahlheimat sagt: Fasching.

Für meine Kinder heisst das: Ausleben der Schizophrenie und raus mit dem wahren Kern.

Meine Freundin und Lebensmittelpunkt konnte meinen Sohn überzeugen, sich dieses Jahr als Punk zu verkleiden. Er wusste zwar nicht, was sich dahinter verbirgt, aber immerhin schien es interessanter als die alljährliche Rolle des Cowboys oder Luke Skywalker zu sein. Ausserdem wurde trotz der fehlenden innerlichen Einstellung zu seiner “Verkleidung” wenigstens keine Minderheiten diskriminiert.

Ich komme ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen und empfinde nach mehr als einem Jahrzehnt in Bayern so manche Bräuche immer noch als Rituale von Sonderlingen. Das scheint auch anderen Eltern so zu ergehen. Jedenfalls lässt sich für mich sonst nicht erklären, warum diese die bayrische Tracht als so sonderbar wahrnehmen, dass Sie diese kurzum als Verkleidung interpretieren. Folglich werden die Kleinen in eben diese Verkleidung gesteckt und als Scheinbayern in die Schule geschickt. Eine klare Verunglimpfung traditioneller Werte. Das erinnert mich ein wenig an die Tegernseer Seefeste, bei denen Münchner in Kleidern erscheinen, die Sie selber als Tracht erachten. Da bin ich ja nur froh, dass ich in diesem Klassenverbund keinen Knaben in Laufkleidung angetroffen habe.

Meine Tochter hat noch nicht dieses Problem. Hier geht es eher um die Qual der Wahl: ist dieses Jahr das Thema “Prinzessin” oder wird heuer der “Popstar” favorisiert. Dieses Jahr ist eher Barbie als Lillifee angesagt, so dass sich meine Tochter ohne zu zögern für den Popstar entschieden hat.

Aussenstehende sehen hier aber auf den ersten Blick keinen Unterschied, so dass gleich am Morgen im Kindergarten begeisterte Eltern meine Tochter begutachteten und die kleine Prinzessin im Kreis der anderen Kleinwüchsigen willkommen hiessen. Da hatte meine Tochter eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten und brachte erstaunlicherweise jedes Mal die Energie auf, die eher oberflächlich prüfenden Erziehungsberechtigten darauf hinzuweisen, dass ein echter Popstar vor ihnen stehe.

Das kommt mir ja fast so vor, als ob ich jemanden den Unterschied zwischen einem Jogger und einem Läufer erklären müsste, obwohl das für einen Aussenstehenden erst einmal das gleiche zu seien scheint.

Ich werde mich in diesem Zusammenhang nur einmal am Tag verkleiden. Ich gehe als Läufer und spule meinen Trainingsplan ab. Da ich mir für dieses Jahr wieder einiges vorgenommen habe, ist für mich der Spuk aber dann nicht am Aschermittwoch vorbei.

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