Auf auf ihr Läufersleut!

Es ist schon merkwürdig, warum man sich freiwillig Wettkämpfen aussetzt. Gut: ich habe früher als Leistungssport Schwimmen betrieben. Aber da schwamm ich ja für eine gute Platzierung. Beim Laufen bin ich weit von einer guten Platzierung entfernt. Da laufe ich in der Gemeinschaft gegen mich selbst. Man ordnet sich schon beim Start in eine Gruppe gleicher Geschwindigkeit ein.

Das erinnert mich ein wenig an den Ausruf der Lufthansa am Terminal:

Um Ihnen das Einsteigen zu erleichtern, bitten wir zunächst die Reihen 25 – 32 mit dem Einsteigen zu beginnen.

Genau wie bei dieser Fluggesellschaft ignorieren auch beim Volkslauf viele Läufer die Hinweise. Ich ordne mich also brav bei 04:45 min/km ein und finde mich in einer lustigen Gesellschaft wieder, die mich sofort in die Diskussion in meine Stützstrümpfe integrierte. Kurz vor dem Start rückt das Feld zusammen: ich befinde mich in der Konsequenz ohne weiterem Training mit meinen neuen Bekannten bei einer Laufgeschwindigkeit von 4 min/km – nicht schlecht.

Dann der Start:

Gleich auf den ersten Kilometern stellt sich mein anderes Ich schon wieder die Sinnfrage – wie nervig. Aber: bezahlt ist bezahlt! Vor mir, neben mir und hinter mir beginnt man mittlerweile heftig zu schnaufen. Durch das Gehopse ist für mich die Einnahme von Getränken an den Verpflegungsstationen unmöglich. Ich laufe also mit nassem T-Shirt weiter. Da ich so plempere, ist auch die Einnahme von den angebotenen Iso-Getränken tabu. Das klebt dann nur und im Ziel will mich dann niemand umarmen. Dieses erbärmliche Leiden wiederholt sich dann entlang der Strecke ein paar Mal.

Dann das Ziel: Meine Familie missachtet mal wieder meine übermenschliche Leistung. Nur mein Sohn wartet am Eingang zur Sportanlage und läuft ein paar Meter mit; er ist stolz auf seinen Vater. Wenigstens glaubt man in diesem Alter noch an die sportliche Leistungsfähigkeit seiner Blutsverwandten und ignoriert meisterhaft die Zieleinläufe der Schnelleren.

Fazit: Das nächste Mal muss ich meinem Sohn – dem wohl einzigen Fan auf der Strecke – am Ende ein Autogramm geben; das wäre dann auf Neu-deutsch eine Win-Win-Situation.

Achso: Basis dieser Erfahrung sind meinen Berichte zum Tegernseelauf und zum Forsterrieder Volkslauf.

curro ergo sum

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